Geburt von Julian im Geburtshaus Donauwörth
Im Juli 2025 habe ich erfahren, dass ich mit dir schwanger bin. Du bist ein absolutes Wunschkind und ich habe mich unendlich gefreut, dich bald auf der Welt begrüßen zu dürfen.
Für mich stand schon immer fest, dass ich, wenn möglich, im Geburtshaus gebären möchte. Ich hatte bislang nur positive Geburtsberichte aus Geburtshäusern gehört und konnte mir nicht vorstellen, mich in einer Krankenhausatmosphäre entspannen und fallen lassen zu können.
Der erste Termin im Geburtshaus war sehr positiv und bald lernte ich Birgit kennen. Ich habe mich sofort bestens aufgehoben gefühlt und wusste, dass ich mir sie an meiner Seite in diesen besonderen Stunden sehr gut vorstellen kann.
Nach einer relativ komplikationslosen Schwangerschaft war es dann 5 Tage vor dem errechneten Termin soweit. Ich hatte schon seit ein paar Wochen Kontraktionen und seit zwei Tagen das Gefühl, mich nur noch verkriechen zu wollen. Die Gedanken spielten verrückt, was wenn ich das alles nicht schaffe? Bin ich bereit für diese große Aufgabe? Ist man jemals bereit?
Am Abend vor deiner Geburt hast du dich dann anders als sonst in meinem Bauch stark nach unten gedrückt. Zum ersten Mal hatte ich das Gefühl, dass etwas anders ist als die letzten Wochen. Das war ungefähr um 21:30 Uhr abends auf dem Sofa. Ich habe den Gedanken, dass die Geburt unmittelbar bevorstehen könnte, schnell beiseite geschoben und erst einmal ignoriert. Deinem Papa habe ich nichts von meiner Vorahnung erzählt, ich wollte schließlich keine unnötige Panik auslösen und war mir ja selbst unsicher.
Dein Papa und ich gingen also ins Bett, ich mit einem sehr mulmigen Gefühl. Nach ein paar Minuten des Grübelns konnte ich endlich einschlafen. Gegen Mitternacht wachte ich jedoch wieder auf - das Ziehen und das Druckgefühl nach unten nahmen immer mehr zu.
Gegen halb eins konnte ich das immer stärker werdende Ziehen nicht mehr ignorieren, ich wusste, dass das jetzt wohl Wehen sein müssen. Ab diesem Zeitpunkt habe ich die Abstände, in denen die Wehen kamen, für mich notiert. Sie kamen tatsächlich schon alle 5 Minuten, was mich etwas irritiert hat. Zunächst konnte ich die Wehen noch gut im Liegen im Bett veratmen.
Nach etwa eineinhalb Stunden nahm ich mir meinen Gummiball ins Schlafzimmer und benutzte ihn zum Kreisen des Beckens und später zum Abstützen der Arme und zum sanften Ablegen meines Oberkörpers. Die Stärke der Wehen nahm kontinuierlich zu. Schnell merkte ich, dass sich jede Position, außer der Vierfüßlerstand, während den Wehen sehr unangenehm anfühlten.
Die darauffolgenden eineinhalb Stunden verbrachte ich damit, alle fünf Minuten in den Vierfüßlerstand aufzuspringen, die Wehen zu veratmen und zwischendurch erschöpft einzuschlafen. Mittlerweile war mir auch übel, also holte ich mir einen Eimer ans Bett. Gegen vier Uhr beschloss ich, deinen Papa mit den Worten „Ich glaube, es ist losgegangen!“ aufzuwecken, da ich mir nun sicher war, dass du dich auf den Weg gemacht hast. Bevor ich weiter meine Wehen veratmen konnte, musste ich mich erst einmal übergeben. Das war eine echte Erleichterung.
Ich bat deinen Papa, jetzt Birgit anzurufen. Der hat dann zunächst einmal vorgeschlagen, mir die Badewanne einzulassen. Im Geburtsvorbereitungskurs hatten wir gelernt, dass wir in der Badewanne feststellen können, ob es sich um echte Wehen handelt, wenn diese auch durch die Wärme des Bades nicht mehr verschwinden. Das Bad konnte ich nun wirklich gebrauchen, da die Wehen ziemlich stark in den unteren Rücken ausgestrahlt haben. Ich begab mich also in die Badewanne. Die wohltuende Wärme sorgte sofort für Schmerzlinderung. Bei jeder Wehe sprang ich wieder in den Vierfüßlerstand auf, atmete durch die Nase ein und durch den Mund mit einem langgezogenen „uuuuuhhh“ wieder aus, zwischendurch schlief ich erschöpft ein. Die Wehen wurden nun immer stärker und stärker.
Gegen fünf Uhr kam Birgit mit Hebammenstudentin Luisa vorbei. Wir haben gemeinsam während den Wehen geatmet, wodurch ich immer ruhiger wurde, während die Wehen immer stärker wurden. Gegen 6:30 Uhr beschlossen wir gemeinsam, dass Birgit und Luisa wieder nach Hause fahren, da mein Muttermund zu diesem Zeitpunkt erst 2cm weit geöffnet war. Birgit meinte noch, dass die Wehenhäufigkeit eigentlich nicht zur Öffnung des Muttermundes passen würde, trotzdem würde es noch dauern, bis du da sein würdest. Da wir später an diesem Tag sowieso einen Termin im Geburtshaus hatten, schlug Birgit vor, dass wir uns wie vereinbart um 14 Uhr dort wieder treffen.
Ein wenig entmutigt stieg ich aus der Badewanne, die mir mittlerweile viel zu ungemütlich vorkam und schleppte mich zurück ins Bett. Es sollte also noch Stunden dauern, bis wir dich endlich in die Arme schließen dürfen?
Im Bett veratmete ich weiter Wehe für Wehe. Dein Papa kam immer wieder ans Bett, stand mir bei und versorgte mich mit einer Wärmflasche und etwas zu trinken. Ungefähr 1,5h später spürte ich plötzlich das erste Mal den überwältigenden Drang zu pressen.
Ich rief deinen Papa zu mir, der mittlerweile im ganzen Haus herumlief und das Auto packte und bat ihn, Birgit noch einmal anzurufen. Birgit und Luisa würden noch einmal vorbeikommen, sagte Birgit am Telefon. Ich war erleichtert, die beiden noch einmal zu sehen. Bei der nächsten Presswehe spürte ich dann, wie sich etwas großes, warmes aus mir herausdrückte. Durch den Stoff meiner Schlafanzughose spürte ich eine warme, runde Form, die Konsistenz war einer Wasserbombe (ein mit Wasser gefüllter Luftballon) ähnlich. Noch bevor ich überlegen konnte, was ich da spürte, platzte die Blase und jede Menge Fruchtwasser und etwas Blut ergossen sich auf das Bett und in meine Hose. Wieder rief dein Papa Birgit an, die nun vorschlug, doch nicht mehr zu uns zu kommen und sich gleich im Geburtshaus zu treffen.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich mir kaum vorstellen, jetzt noch in ein Auto zu steigen. Du bist spürbar immer tiefer gerutscht und ich hatte die Befürchtung, dich im Auto zur Welt bringen zu müssen. Der letzte Versuch, vor der Abfahrt noch einmal auf die Toilette zu gehen, scheiterte. Sofort erfasste mich die nächste Wehe und ich presste auf dem Badezimmerboden auf allen Vieren weiter. Da ich mittlerweile das Gefühl hatte, dass du gleich aus mir herauskommen würdest, tastete ich neugierig nach deinem Köpfchen und wurde nach wenigen Zentimetern fündig. Ich sagte deinem Papa deshalb, dass ich nicht glaube, dass wir es noch ins Geburtshaus schaffen würden.
Zum Glück hat er mich trotzdem ermutigt, doch noch zu fahren. In einer Wehenpause schaffte ich es dann, die Treppen herunterzulaufen. Im Gang presste ich im Stehen noch einmal kräftig, ehe ich mich in der nächsten Wehenpause erschöpft auf den mit Handtüchern ausgelegten Beifahrersitz fallen ließ. Die Fahrt von Riedlingen ins Geburtshaus in der Parkstadt dauerte nur ca. 10 Minuten. Bei jeder Wehe presste ich eine kleine Menge Fruchtwasser heraus. Jede rote Ampel ließ mich noch etwas unruhiger werden, jedoch schafften wir es noch rechtzeitig ins Geburtshaus Eva Vita.
Es war jetzt ca. 9:30 Uhr. Dort angekommen begab ich mich gleich wieder in den Vierfüßlerstand, Birgit zog meine Hose aus und legte warme Lappen auf meinen Damm, die sich sehr angenehm anfühlten. Im Hintergrund wurde bereits der Pool eingelassen, den ich mir im Vorfeld gewünscht hatte. Ich konnte es wegen der starken Rückenschmerzen kaum erwarten, dort hineinzuklettern und schaffte es in einer Wehenpause, mich weiter auszuziehen und in die wohltuende Wärme zu steigen.
Jede weitere Presswehe fühlte sich wie eine Erlösung an und ich spürte, dass ich unserem Kennenlernen immer näher kam. Ich lehnte mich mit den Armen kniend über den Rand des Pools.
Birgit und Luisa saßen jetzt hinter mir, vor mir saß dein Papa, der mir nicht mehr von der Seite wich. In der dritt- oder viertletzten Wehe spürte ich, wie mein Damm ein Stückchen einriss, um deinem Köpfchen etwas mehr Platz zu verschaffen. Bald teilte mir Birgit mit, dass du mit der nächsten Wehe geboren werden würdest. Wenige Augenblicke später spürte ich deinen Kopf und einen Moment später deinen Körper aus mir herausrutschen.
Wir hatten es geschafft! Es war jetzt genau 10:14 Uhr.
In diesem Moment hörte ich Birgits sanfte Stimme hinter mir: „Wenn du magst, kannst du ihn jetzt zu dir hochnehmen“. Und so hob ich dich zwischen meinen Beinen aus dem Wasser heraus, so wie ich es mir immer gewünscht habe, und blickte dir das erste Mal in dein wunderschönes Gesicht. Du warst etwas blau, hast aber sofort zu schreien begonnen. Wie schön und gleichzeitig merkwürdig es war, dich endlich kennenzulernen!
Ich hatte das Gefühl einen neuen aber gleichzeitig altbekannten Menschen kennenzulernen. Ein unbeschreibliches Gefühl!
Die Nabelschnur verband uns noch ein paar Minuten miteinander. Es war unser Wunsch, sie erst zu trennen, wenn sie nicht mehr pulsiert. Bald wurde die Plazenta geboren und wir stiegen erstmalig aus dem Pool heraus.
Die nächsten Stunden verbrachten wir damit, dich im Kuschelzimmer kennenzulernen, außerdem wurde ich bestens versorgt, ich habe deine Nabelschnur durchtrennt und du und die Plazenta wurden gründlich untersucht.
Dein Papa und ich sind unendlich dankbar, dass wir dich auf so eine entspannte und selbstbestimmte Art und Weise auf der Welt begrüßen durften. Schöner hätte ich es mir als Frau und Mama nicht vorstellen können. Jetzt bist du da und bleibst für immer. Wir könnten darüber nicht glücklicher sein.
Herzlichen Dank an Birgit und Luisa für die Betreuung und Unterstützung während der Schwangerschaft, bei der Geburt und bei den Hausbesuchen. Danke auch an Janine für die Betreuung und Organisation vor Ort im Geburtshaus! Gerne jederzeit wieder! :)