Meine Salutogenese-Abschlussarbeit

Salutogenese in der praktischen Hebammenarbeit

Kurs 2009-2010 mit Verena Schmid, Bern

 

Abschlussarbeit von Birgit Landwehr

 

Fallbesprechung einer kontinuierlichen Betreuung von Eva 24j. Ip

 

 

Leben ist Veränderung

 

„Ich, Mutter ??

Mutter-Ich?“

 

 

 

 

 

Inhaltsverzeichnis

 

  1. Einleitung 
  2. Oh Gott, ich bin schwanger! 
  3. Die Anamnese 
  4. Informationen zu den Säulen der Gesundheit aus dem ersten Kontakt mit Eva 
  5. Zirkuläre Bewertung anhand der Anamnese und des ersten Gespräches 
  6. Reaktive Systeme 
  7. erstes Trimenon: Phase der Anpassung - Diskussionen mit mir selbst 
  8. Bewertung nach den Säulen der Gesundheit 
  9. zweitesTrimenon: Eigentlich Phase des Wohlbefindens, hier Phase der Belastung - Mit einem Ungeborenen Hundefutter machen 
  10. 25. Schwangerschaftswoche: Eine Grenzsituation - Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen 
  11. Die Grenzsituation geht weiter, die Frage nach der Plazentainsuffizienz 
  12. drittes Trimenon: Eigentlich Phase der Belastung- hier Phase des Wohlbefindens. Bewertung nach den Säulen der Gesundheit - Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“ 
  13. Endspurt 
  14. Die Geburt . Zeit des Rückzugs - „Ups...jetzt kannst du Birgit anrufen“ 
  15. Ressourcen während der Geburt 
  16. Das Wochenbett - Zeichen der Veränderung, weiterer Verlauf 
  17. Ausgang der Betreuung für die Frau/Familie - Mein Fazit

 

1. Einleitung

 

Seit 1994 bin ich Hebamme und betreue seit Mitte 2000 außerklinische Geburten. Zuerst in einem Geburtshaus und seit 2006 ausschließlich Hausgeburten. Bei dem Lehrgang „Salutogenese in der Hebammenarbeit“ mit Verena Schmid wurde mir bewusst, dass ich noch zu den (inzwischen anscheinend relativ wenigen) Hebammen gehöre, denen es vergönnt ist, Frauen und Familien vom Beginn der Schwangerschaft bis weit ins erste Lebensjahr (Exogestation) hinein zu begleiten. Durch diese kontinuierliche Begleitung kann eine therapeutische Beziehung entstehen, die zu einer Ressource für die werdende Mutter mit ihrem Partner werden kann. Für mich als Hebamme ermöglicht die therapeutische Beziehung mehr Sicherheit durch eine ganzheitliche, zirkuläre Bewertung. Außerdem erfüllt mich diese beziehungsorientierte Begleitung mit sehr viel Zufriedenheit.

 

Anhand von Eva möchte ich eine salutogenetische Begleitung beschreiben. Aufgrund ihrer Vorgeschichte wäre auch ich bis vor Kurzem sicher Gefahr gelaufen, sie zu pathologisieren. Wie gewinnbringend es aber für Mutter und Kind ist, die Gesundheitszeichen zu sehen und ihre Ressourcen zu stärken, zeigt diese Geschichte.

 

Eva und Frank waren mir vom ersten Augenblick an sehr sympathisch. Da sich die kontinuierliche Begleitung über mehrere Monate erstreckt glaube ich, dass es wichtig ist, dass beide Seiten „gut miteinander können“. Je besser ich einen Raum zwischen mir und der Frau/ dem Paar schaffen kann, indem ich ihr Platz schaffe für ihre Geschichte, umso leichter wird die kontinuierliche Begleitung für mich. Das Miteinander-in-Beziehung gehen ist ein wichtiger Eckpunkt in dieser Art Arbeit. Dieser sogenannte Wertfreie Raum hilft nicht nur zum Aufbau der therapeutischen Beziehung, sondern fördert auch die Aktivierung der Eigenständigkeit der Frau.

Die Sympathie ist zwar für mich nicht das ausschlaggebende Kriterium, da ich in der professionellen Begleitung auch Frauen/Paaren einen Raum geben kann, die ich nicht als beste Freunde in Betracht ziehen würde, aber sie hilft sehr.

 

 

2. Doch nun zu Eva

 

Eva hat mir einen ausführlichen Bericht nach der Geburt geschrieben, deshalb möchte ich sie immer wieder selbst zu Wort kommen lassen.

Lesen wir gleich von ihr selbst wie ihre Reise „Mutter-werden“ begann:

 

Ein Kind zu bekommen – dies war der letzte Gedanke, den ich im Frühsommer 2009 haben konnte! Als Geschäftsführerin eines Hundezentrums, gerade erst seit 4 Monaten in einer neuen Beziehung, den ganzen Tag lang Stress im Geschäft und am Wochenende Partys mit viel Alkohol –das war mein Leben. Einen Kinderwunsch hegte ich bis dato nicht, wie um alles in der Welt sollte ein Kind denn in dieses Leben passen?

Ich war ein Mensch, der nach allem und jedem schaute, nur nicht nach sich selbst. Meine eigenen Bedürfnisse und mein eigenes Wohlergehen hatte ich ganz hinten angestellt. Damals war ich mir sicher, dass dies die optimale Lebensart sei –so ließe sich mehr Leistung erzielen und das Geschäft würde besser und besser laufen.

 

Oh Gott, ich bin schwanger!

Es war Juni, als ich eines Morgens im Drogeriemarkt einen Schwangerschaftstest kaufte. Meine Periode war längst überfällig und ich fühlte mich seltsam. Meine Brust spannte und mir war schwindelig und übel am Morgen. Irgendwie glaubte ich nicht wirklich an eine Schwangerschaft, ich kaufte den Test einfach nur, um mir selbst zu beweisen, dass alles in Ordnung sei. Und dann kam der Schock: Zwei blaue Streifen auf dem Stäbchen – schwanger! Das konnte doch nicht sein! Ich fuhr in die Apotheke und kaufte 3 weitere Tests, von unterschiedlichen Marken. Das mag verrückt klingen, aber es schien mir am plausibelsten, dass der Test falsch gemessen hatte. Nach drei weiteren, positiven Tests realisierte ich es schließlich nach und nach: ich bin schwanger!

Was nun? Abtreiben? Soll ich es meinem Freund überhaupt sagen? Wie wird er reagieren? Was soll ich nur tun? Nachdem ich mich einigermaßen beruhigt hatte, rief ich meinen Freund auf dem Handy an. Er war gerade auf Montage unterwegs. Ich weinte ihm die traurige Gewissheit ins Telefon. Zu meinem Erstaunen: er freute sich!

Es folgten Wochen der Zerrissenheit. Mein Freund Frank* hatte sich von der ersten Minute an für das Kind entschieden, die Gespräche mit ihm taten mir sehr gut. Der erste Termin beim Frauenarzt war schlimm für mich: ich schaffte es nicht einmal, auf den Bildschirm des Ultraschallgerätes zu schauen.

Ich begann mich nun intensiv mit dem Thema zu befassen –weglaufen half nichts, schließlich war ich bereits schwanger. Im Internet bestellte ich mir verschiedene Bücher aus verschiedenen Richtungen –naturheilkundliche Bücher, schulmedizinische Bücher, am besten alles ohne Bilder (irgendwie ängstigten mich Fotos und Zeichnungen zu dem Thema erst recht). Ich las und lernte zunächst einmal alles Mögliche zum Thema Schwangerschaft und Geburt. Schnell war klar: WENN ich das Kind annehme, dann gehe ich den natürlichen Weg. D.h., ich vertraue der Natur und werde alles weitestgehend ohne Besuche in Arztpraxen und Krankenhäusern durchlaufen. So kam dann auch das Interesse an einer Hausgeburt. Ich hatte mir das Buch „Hebammensprechstunde“ von Ingeborg Stadelmann gekauft und kam über genau dieses Buch schließlich zu einem Adressenverzeichnis für Hausgeburtshebammen. Ich vereinbarte bei gleich 3 Hebammen jeweils einen Termin zum Kennen lernen. Nachdem ich im August Birgit besucht hatte war klar: hier stimmt einfach alles – sie war mir und auch Frank von Anfang an sehr sympathisch. Der erste Termin bei Birgit war sicherlich nicht geprägt von Vorfreude meinerseits. Ich saß neben Frank bei ihr auf dem Sofa und weinte, erzählte, dass ich mich gar nicht darauf freue, dass ich nicht weiß, wie ich das schaffen soll usw. Birgit ging ganz toll mit der Situation um, es folgten weitere Gespräche, die mir sehr gut taten und ich schließlich sagen konnte: ich habe mich für das Kind entschieden! Ich hatte große Angst, es standen viele innere Konflikte im Raum –aber ich war entschlossen, es zu schaffen.

 

Meine Sicht:

Eine unglückliche Schwangere

 

Ich traf Eva das erste Mal in der 14. SSW. Sie hatte mir am Telefon kurz von sich erzählt: dass sie eine Ärzte- und Krankenhausphobie habe und sich deshalb schon mal frühzeitig nach einer Hausgeburtshebamme umschauen wollte.

Ich freue mich immer, wenn Schwangere sich schon früh bei mir melden. Das gibt mir die Chance sie über einen längeren Zeitraum, als kongruente Fortsetzung ihres bisherigen Lebensweges, zu begleiten und zu beobachten. So kann ich ihre Rhythmen und Reaktivität wahrnehmen und auch tiefer gehende Lebenseinstellungen wie Sinn und Spiritualität, den Umgang mit besonderen Situationen (umfassend bezeichnet als Kohärenzsinn und Coping Strategien) besser kennen lernen und habe so mehr Möglichkeiten, sie auf einer globalen Ebene – und nicht nur medizinisch-symptomal – zu unterstützen.

Es ergab sich, dass Frank beim ersten Termin frei hatte und gleich mitkommen konnte.

 

Im Gespräch mit den Beiden ankerte ich mich selbst bewusst und schuf innerlich einen Raum zwischen uns, in den sie alles hineinbringen konnten, was gerade für sie wichtig war. Ich nahm all ihre Informationen ohne Wertung an. Dieser wertfreie Raum ist ein wichtiges Instrument für mich, um eine therapeutische Beziehung herzustellen. So kann ich einerseits ganz bei mir bleiben und andererseits eine Beziehung von Herz zu Herz anbieten.

Aus dieser Position heraus konnte ich Eva positive Aspekte, die ich sah, spiegeln:

Dass sie erleichtert gewesen war, dass ihr Baby trotz der Blutungen bei ihr geblieben war und ihr sofortiger Verzicht auf alle Drogen waren für mich starke Gesundheitszeichen und nutzte sie, um ihr zu zeigen: du bist auf dem Weg, eine gute Mutter zu werden, auch wenn du im Moment nicht deinem Bild von einer strahlenden glücklichen Schwangeren entsprichst.

Auch ihre Offenheit war eine Ressource für mich: Der Weg wird nicht ganz leicht, aber sie möchte ihn mit ihrem Kind gehen und ich kann sie dabei unterstützen, weil sie sich auf die Beziehung auch mit mir einlassen möchte.

 

3. Die Anamnese

 

In einer Beziehung kann Vertrauen entstehen. Dieses Vertrauen macht es möglich, dass die Schwangere mir nach und nach immer mehr persönliche Dinge aus ihrem Leben erzählen kann.

Eine ausführliche Anamnese ist essentiell für das Verstehen, wie diese spezielle Frau „tickt“. Wichtig dabei für mich ist, damit zu beginnen wie sie in ihr eigenes Leben gestartet ist. In der Zeit der Schwangerschaft, der Geburt und bis etwa zum 9. Lebensmonat bildet sich das primäre Anpassungssystem aus (das sich aus dem Immunsystem, dem neurovegetativ-lymbische-instinktiven System und dem Hormonsystem zusammensetzt). Das primäre Anpassungssystem bildet die Grundlage der Gesundheit und legt die persönliche Stresstoleranzgrenze festlegt. Die Stresstoleranzgrenze bestimmt wie das Kampf-Flucht-System arbeitet, d.h. wie viel Stress noch als anregend empfunden wird, ab wann Stress als Distress empfunden wird und die Qualität ihrer Strategien, die sie entwickelt hat, um wieder in die Homöostase zurück zu kehren. Außerdem werden in der Anamnese häufig schon spezifische Ressourcen sichtbar, die bei Bedarf aktiviert werden können.

 

Ich merkte schnell, dass es viel aus ihrem Leben zu erzählen gab und so teilten wir die Anamnese auf drei Treffen auf.

 

 

Familienanamnese:

Oma mütterlicherseits psychisch krank. Vater Alkoholiker. Sonst nichts bekannt

 

Eigenanamnese:

Primärzeit: selbst ungeplantes, aber dann doch freudig erwartetes 1. Kind, Mutter hatte physisch problemlose Schwangerschaft, heiratete den Vater ihres Kindes noch in der Schwangerschaft obwohl sie zu diesem Zeitpunkt schon unter seiner Alkoholsucht litt.

Rel. Schnelle „normale“ Krankenhausgeburt mit Kristellerhilfe und Schlüsselbeinbruch bei ET+6. Trennung für ca. vier Tage sofort nach der Geburt von der Mutter wegen Infektionsverdacht bei nachgewiesenen Streptokokken B bei der Mutter, der sich nicht bestätigte. 5 Monate gestillt.

Eine 3 Jahre jüngere Schwester.

Keine Allergien bekannt. Keine chronischen Erkrankungen.

4 Operationen an Weisheitszähnen mit 14 Jahren. Jedes mal danach hohes Fieber.

Krankheitsverläufe eher kurz und heftig.

Eva erzählt, dass sie aufgrund ihrer früheren Erfahrungen eine Ärzte- und Krankenhausphobie entwickelt hat.

 

Soziale Anamnese:

Eltern ließen sich scheiden, als Eva etwa 6 Jahre alt war. Ihre Mutter lebte dann mit einem Familientherapeuten zusammen, mit dem die beiden Kinder überhaupt nicht klar kamen. Eva war ein besonderes Kind (Indigo Kind?) und wurde zu vielen Therapeuten gebracht, was sie eher als nervig und störend erlebte. Evas Beziehung zu ihrer Mutter war durch viele Krisen belastet. Die beiden standen in Kontakt, den Eva allerdings häufig als anstrengend erlebte.

Eva wurde als Kleinkind von der Oma sexuell belästigt. Außerdem erlebte zwei sexuelle Übergriffe mit 9 und 12 Jahren von jeweils Fremden.

Abbruch eines privaten Gymnasiums mit 15. Sie zog von zu Hause aus, machte verschiedene Jobs, schlussendlich wurde Eva Hundtrainerin, konnte mit Anfang 20 die Bank überzeugen, ihr einen Kredit für ein eigenes Hundehotel zu geben.

 

Gynäkologische Anamnese:

Blasenentzündung mit 2 Jahren, Menarche mit ca. 11 Jahren. Zu Beginn sehr starke Blutungen, woraus immer wieder eine Anämie resultierte. Deshalb Verschreibung der Pille mit 14 Jahren. Sie nahm die Pille für etwa 6 Jahre und verhütete danach mit der Yams- Knolle. Zyklus relativ regelmäßig, 28-32 Tage. Mittelstarke Blutung für ca. 5 Tage. Beschwerden bei der Mens: Oberschenkel- und Rückenschmerzen, Migräne und Kreislaufbeschwerden.

Mit 13 Mastitis an der linken Brust, wurde punktiert und verschwand nach Meridian- und homöopathischer Therapie und vielen Quarkwickeln.

Mit 16 wurde eine faustgroße Zyste am rechten Eierstock entdeckt. Sie verschwand nach Einnahme eines homöopathischen Mittels.

Ab und zu Scheidenpilz nach Freibad oder öffentlichem WC- mit Antimykotikum behandelt.

 

 

4. Informationen zu den Säulen der Gesundheit aus dem ersten Kontakt mit Eva

 

Die vier Säulen der Gesundheit – das hormonelle System, das neurovegetative System, das feto-plazentare System und das soziale System Frau-Umwelt- halfen mir die verschiedensten Informationen einzuordnen und miteinander in Beziehung zu setzten.

 

Ihr hormonelles System:

Vor mir saß eine junge Frau, die mehr verzweifelt über die weder geplante noch (ihrerseits) gewünschte Schwangerschaft war, als dass sie sich freuen konnte.

Sie durchlebte sehr intensiv das hormonelle Chaos des 1. Trimenons. Ihre Gefühle sind ein Ausdruck der physiologischen emotionalen Depression am Anfang.

Allerdings fiel es ihr schwer, sich in die vom Körper vorgegebene Verlangsamung hinein zu geben. Dies, zusammen mit sehr wenig Appetit lässt auf einen niedrigen Progesteronanteil schließen.

Eva hat einen schönen fraulich-runden Körper, obwohl sie in den ersten Wochen einige Kilo abgenommen hatte. Ihre Gebärmutter wuchs zeitgerecht, was für die ausdehnende Wirkung des Östrogens spricht. Auch dass sie viel träumte ist auf das Östrogen zurück zu führen, ebenso die Spannung in den Brüsten.

Dass Evas hormonelles System auch in ihrem ganzen Stress relativ gut funktioniert hat zeigt die regelmäßige Menstruation (meistens an Vollmond).

 

Ihr feto-plazentares System:

Sie erzählte mir von Blutungen in der ca. 8. SSW und einem damit verbundenen Krankenhausaufenthalt. Im feto-plazentaren System können die Blutungen Zeichen für den Einnistungsprozeß sein. In Evas Fall kann es aber auch ein Zeichen ihres Kampf-Flucht-Systems sein, das zunächst noch die Flucht favorisierte.

 

Ihr neurovegetatives System:

Zeichen für den Parasympaticus sind ihre offene aufnehmende Haltung mir gegenüber und ihre Bindung zu Frank. Zeichen des Sympaticus: ihr gestörter Ess-Schlaf und Arbeitsrhythmus.

 

Ihr soziales/ Umwelt System:

Sie war in ihrem Beruf voll gefordert, konnte sich beispielsweise als Selbstständige nicht einfach mal krankschreiben lassen. Sie ist eine Person, die weiß, was sie will und kann diese Ziele auch mit viel Energie verfolgen. Eva hatte relativ wenig Kontakt zu ihrer Familie. Freundeskontakte waren wohl vorhanden, wurden aber eher wenig gepflegt, weil sie so viel arbeitete. In der Familie ihres Freundes fühlte sie sich dafür sehr wohl. Besonders ihr Freund selbst gab ihr sehr viel Halt und Unterstützung. Ganz im Gegensatz zu ihr, freute sich Frank einfach für beide und strahlte liebevolle Annahme aus. Dies ist eine sehr wichtige Säule in ihrem sozialen Ökosystem der Geburt.

 

 

5. Zirkuläre Bewertung anhand der Anamnese und des ersten Gespräches

 

Interessant sind die Befunde auf der körperlichen Ebene, weil sie Auskunft geben über Ressourcen und eventuelle geburtshilfliche Risiken.

Auf der Verhaltensebene bekomme ich Informationen über das soziale Ökosystem, die Qualität der Unterstützung, den Lebensstil, die soziale Anpassung der Frau und die eventuelle Risiken.

Mit Befunden auf der emotionalen- und Beziehungsebene können die emotionale Anpassung und die inneren Ressourcen eingeschätzt werden.

 

 

Die körperliche Ebene

Eva wusste zwar nicht den Tag, wann sie schwanger geworden ist, aber sie merkte sehr bald, dass etwas anders war, weil sie ihre Tests schon in der ca.5. SSW machte. Sie spürte die physiologischen hormonellen Veränderungen in ihrem Körper: das Östrogen ließ ihre Brüste spannen, durch Stresshormone war ihr schwindelig und übel. Da sie vorher einen regelmäßigen Zyklus von 28 Tagen hatte konnten wir den ET, bestätigt durch den Frühultraschall, gut eingrenzen.

Aufgrund ihres exzessiven, ungesunden Lebensstiles, sowie ihrer Trennung von der Mutter nach der Geburt wie auch den sexuellen Übergriffen durch die Oma hatte ich im Hinterkopf, dass Evas mütterliches Terrain möglicherweise nicht gut ausgebildet sein könnte, was eventuell. zu Versorgungsschwierigkeiten des Kindes durch die Plazenta führen könnte. Ansonsten war Eva eine gesunde Frau, mit einem reaktiven Immunsystem. Deswegen sah ich zunächst kein grundsätzliches Problem für die Geburt.

 

Die Verhaltensebene

Auf der Verhaltensebene waren die größten Aufmerksamkeitspunkte bei Eva zu finden. Ihr Lebensrhythmus war aus dem Gleichgewicht geraten – die Entspannung kam zu kurz, ihr Sympaticus war häufig dominant. Hier lag ihr größtes Spannungsverhältnis: Zwischen ihrer Arbeits- und ihrer privaten Situation. Sie lief fast immer auf Hochtouren, weil sie (noch) alleine lebte, es auch schon aus ihrer Kindheit und Jugend gewohnt war ihr eigenes Ding durchzuziehen, notfalls auch gegen Widerstand. Sie war sehr selbständig und wußte, was sie wollte. Eva hatte kein großes soziales Netz, dafür hatte Frank eine hohe Qualität als ökologischer Potenz, weil er sehr willig war, mit Eva die kommenden Herausforderungen zu meistern und ihr zur Seite zu stehen. Eva tat sich schwer mit der sozialen Anpassung an die Mutterrolle. Es würde sich zeigen müssen, wie sie den kulturellen Konflikt zwischen Selbstverwirklichung in der Arbeit und/ oder der Familie würde lösen können.

 

Die emotionale Beziehungsebene

Auf der emotionalen Beziehungsebene tat sie sich am Anfang schwer mit dem Kontakt mit ihrem Baby. Hier übernahm zunächst Frank die Kontaktaufnahme. Das Selbstbewusstsein, das sie in ihrem Job an den Tag legt fehlte ihr zu Anfang beim Mutter-Werden. Auch wenn sie sich noch nicht über ihr in sich heranwachsendes Baby freuen konnte und manchmal sogar wütend auf das Baby war konnte sie die Freude und Annahme von Frank gut annehmen. Als Ressourcen sah ich Evas Kreativität und ihre Arbeit mit ihren Hunden, weil sie dort das Sich-einfühlen praktizierte.

 

 

6. Reaktive Systeme

Ihr Kampf-Flucht-System

Um Evas physische und psychische Reaktionen in der Schwangerschaft verstehen zu können, versuchte ich mir ein Bild von ihrem Kampf-Flucht-System und ihrer Stresstoleranzgrenze zu machen.

Eva war eher wütend auf ihr Kind, das sie zu einer Änderung ihrer Verhaltensweisen „zwang“. Dies sah ich als sehr lebhaften Ausdruck der physiologischen Verunsicherung wie die Situation mit Kind wohl werden könnte. Es zeigte deutlich, dass sie in einem kulturellen Konflikt stand zwischen ihrer mütterlichen und sozialen Identität. Dem Kampf (sich öffnen für das Kind) stand immer wieder die Flucht (sich dem Kind verschließen) gegenüber.

 

Auswertung der Stresstoleranzschwelle

Im primären Adaptationssystem sah ich die folgenden Ressourcen: Eine unkomplizierte eigene Schwangerschaft; sie durfte auch den Tag, an dem sie auf die Welt kommen wollte, selber aussuchen. Dies bedeutet, dass sie hormonell und neurovegetativ physiologisch reifen durfte. Ihre Mutter hatte sich auf sie gefreut und sie auch nach der Trennung nach der Geburt gestillt. Ihre Krankheiten verliefen eher kurz und heftig, was auf ein gutes, reaktives Immunsystem schließen lässt. Eine große Ressource war, dass sie willig und bereit war, sich mit Veränderungen auseinander zu setzten, sich eine eigene Meinung zu bilden und gerade bei schwierigen Dingen großen Ehrgeiz an den Tag legen konnte. Manchmal übertrieb sie es aufgrund ihres Ehrgeizes auch und trieb ihren Körper zu fast übermenschlichen Leistungen an. Hier gab es ein „zuviel“, das sie später zu kurzfristiger Bewegungsunfähigkeit zwang.

Im sozialen System stellte auch für ihre Stresstoleranzschwelle ihr Freund Frank mit seiner bedingungslosen Freude über die Schwangerschaft eine bedeutende Ressource dar. Leider war er unter der Woche auf Montage und nur am Wochenende zu Hause. Evas früher Auszug und ihre Selbständigkeit im Beruf zeigten, dass sie schon viele Herausforderungen sehr gut gemeistert hatte. Sie war bereit, für sich selbst zu denken und Verantwortung zu übernehmen, dieses sind transformative Copingstrategien .

An der Geschichte ihrer gynäkologischen Erkrankungen sah ich, dass ihr Körper sich immer wieder gemeldet hatte, was ich als Verarbeitungen ihrer teils schwierigen Erlebnisse. Ihr Körper zeigte eine gute Reaktivität. Dass sie dabei schon – gute – Erfahrungen mit alternativen Heilmethoden gemacht hatte, spricht dafür, dass sie bereit ist, sich auseinander zu setzen: dies zeigt ebenfalls transformatives Coping.

 

Als Aufmerksamkeitspunkt vermerkte ich die Trennung von der Mutter sofort nach der Geburt für vier Tage; eine durchaus schwierige Beziehung zur Mutter, die wohl sehr viel mit sich und ihrem alkoholkranken Mann beschäftig war und deshalb die sexuelle Belästigung ihrer Tochter durch die Oma nicht wahrnahm. Aus diesen Erfahrungen und den zwei sexuellen Übergriffen resultierte ein sehr gespaltene Beziehung zu ihrem Körper und eine mangelhafte Körperwahrnehmung von Eva. Es existiert z.B. kein Bild von ihr aus der Schwangerschaft weil sie sich schwer tat, sich mit ihren körperlichen Veränderungen anzunehmen. Ihr Lebensrhythmus war vor der Schwangerschaft aus dem Gleis geraten, sie hatte nicht mal einen Esstisch in ihrer Wohnung. Sie arbeitete von früh bis spät, glaubte alles selbst machen zu müssen, aß am Schreibtisch und zur Not auch mal im Bett. Sie stellte sich selbst und ihre Bedürfnisse ganz hinten an, weil sie glaubte, so den Erfolg ihres Geschäftes optimieren zu können. Hier war ihre Reaktivität, immer wieder in die Homöostase zu kommen, aus dem Gleichgewicht geraten und es bedurfte vieler kleiner Schritte, um wieder in einen physiologischen Rhythmus zu kommen.

 

 

Im Ganzen erlebe ich Eva eher als einen sehr interessanten Menschen mit großen Dynamiken. Sie machte viele Dinge lieber anders als „man“ sie macht. Sie ist tätowiert und kann selbst tätowieren, hat ein Herz für (traumatisierte) Kampfhunde (sie hat selbst 5 große Hunde), kann Didgeridoo spielen und hat eine bodenständig-spirituelle Sicht auf das Leben. Ihr Lebensweg bisher hat gezeigt, dass die Bewegungen in ihren Systemen immer wieder einen weiten Ausschlag um die Homöostase herum haben. In der 25. Schwangerschaftswoche schaffte es ihr Körper vorüber gehend nicht, das Gleichgewicht zu halten. Daraus entstand eine Situation, die verschiedene Entscheidungen erforderte. Wie sich diese Entscheidungsfindung gestaltete ist Teil dieses Berichtes.

 

Organisatorisches

Wir vereinbarten zunächst engmaschigere (wöchentliche) Treffen, um uns besser kennen zu lernen. Tatsächlich haben wir uns die ganze Schwangerschaft über alle 10 bis 14 Tage (mit einer etwas längeren Pause von drei Wochen) getroffen. Dazwischen gab es Telefonate und email Kontakt. Zu Beginn kam Eva zu mir, weil sie 40km entfernt wohnte. Erst im 3. Trimenon fuhr ich zu ihr.

 

Für Eva war das Gespräch eine wichtige Möglichkeit ihren Kohärenzsinn zu stärken, indem sie verstand, was passierte; wusste, wie sie damit umgehen und dem Ganzen einen Sinn geben konnte. Für mich war das Problem Solving, bei dem das aktive Zuhören und offene Fragen stellen die Hauptinstrumente sind, eine große Hilfe. Körperliche Zuwendung in Form von Massagen hat sie zwar nicht direkt abgelehnt, aber auch nicht gesucht. Sie bekam von mir einmal die metamorphische Fussmassage. Ansonsten hat sie das Gespräch bevorzugt. Die Berührungen bei den Vorsorgeuntersuchungen konnte sie, nach vorangegangener Erklärung, gut tolerieren.

 

 

7. erster Trimenon:

Phase der Anpassung

 

Eva

Diskussionen mit mir selbst

Aus irgendeinem Grund war es wichtig, dass passiert war, was eben passiert war. Nichts begegnet einem im Leben umsonst. Ich vertrete die Einstellung, dass alles, was einem im Leben begegnet eine Prüfung ist. Eine Chance, daraus zu lernen und daran zu reifen. So war es nun meine Aufgabe, mich mit dem kleinen Leben, was nun in mir heranwuchs, anzufreunden. Das ist gar nicht so leicht, wenn man doch bisher nicht einmal Freund mit sich selbst war. So lernte ich zunächst, meine eigenen Bedürfnisse zu spüren und ihnen nachzugehen. Ja, selbst Hunger und Durst, bzw. Zeit zum Essen, Trinken und Schlafen musste ich mir nun bewusst nehmen. Was läge da näher, als für alles und jedes einen „Termin“ zu machen. So, wie ich den ganzen Tag über Termine machte, erhielten diese essentiellen Dinge eben auch Termine. Nein, einfach war es nicht. Immer wieder kam Wut auf, ja sogar Wut auf das Baby, was mich in eine Lage zwingt, die ich so schwer annehmen kann.

Nicht mehr schwer heben, weniger Stress.......all diese „Regeln“ waren für mich unglaublich schwer umzusetzen. Bloß keine Schwäche zeigen! Jede Minute, die ich „effektiv“ in Arbeit investiere ist kostbar. Von diesen Gedanken musste ich lernen, wegzukommen. Aber ich schaffte es nach und nach immer besser.

Eine andere wichtige Lektion war es, Hilfe von anderen Menschen annehmen zu können. Das war anfangs fast undenkbar. Frank war zu dieser Zeit noch unter der Woche auf Montage. Wir sahen uns praktisch nur am Wochenende. Unter der Woche telefonierten wir regelmäßig, was mir sehr gut tat.

 

 

8. Bewertung nach den Säulen der Gesundheit


Eva erlebte einen turbulenten 1. Trimenon. Alle Systeme arbeiteten offensichtlich mit Hochdruck an der Anpassung an die neuen Gegebenheiten. Davon zeugten im hormonellen System häufige Träumen vom Sterben, Verbluten, das Kind verlieren. Diese Gefühle und Träume sind das Sichtbarwerden u.a. der Hormone Östrogen und Cortisol, und zeigen von den intensiven Auseinandersetzungen des Kampf-Flucht-Systems.

Im neurovegativen System war eine Gewichtsabnahme von ca. 8 kg wegen mangelndem Appetit und Übelkeit, Migräne, Ischiasschmerzen zu verzeichnen.

Innerlich war Eva sehr hin und her gerissen, ob sie das Kind will und ob sie es schaffen wird ihr Kind und ihren Beruf unter einen Hut zu bringen.

Meine Hauptaufgabe bestand darin, ihr zu bestätigen, dass Chaos am Beginn der Schwangerschaft normal ist, und dass sie mit der Erleichterung, dass ihr Kind nicht durch die Blutungen abgegangen ist sich im Grunde ja schon für ihr Kind entschieden hat. Ihr Kampf- Flucht System ging manchmal zu gerade den berühmten 51% in den Kampf, d.h. in die Öffnung zum Kind hin, meistens war es mehr. Obwohl sie mental so im Widerstreit war, gab ihr Körper schon dem neuen Bewohner nach- die Gebärmutter wuchs, d.h. Evas Östrogene arbeiteten sehr gut. Für die Beziehung zu ihrem Körper war es ein Erfolg, als ihr Freund zu Beginn des zweiten Trimenons die Hand auf Evas Bauch legen durfte, zuerst aber nur unter der Bettdecke. Auch war er es, der sie überredete, Schwangerschaftshosen zu kaufen. Sie hatte sich vorher immer wieder geärgert, dass ihre Hosen nicht mehr passten und lieber mit dem wachsenden Bauch gekämpft, anstatt die Veränderung einfach anzunehmen. Als sie dann aber Hosen hatte, die nicht mehr zu eng waren, merkte sie schnell, wie gut ihr das tat. Frank nahm seinen Platz im sozialen Ökosystem rund um die Geburt unterstützend und liebevoll ein. Dadurch wurde in Evas neurovegetativem Nervensystem der Parasympaticus angeregt. Bei unserem nächsten Treffen war sie deutlich entspannter.

In dieser Zeit waren die häufigen Treffen eine echte Hilfe: Zum einen wurde Eva durch die kontinuierliche Begleitung immer wieder bestärkt, dass das was, sie erlebte zu einem normalen Prozess gehörte. Zum anderen lernte ich sie gut kennen und wir fanden zusammen immer wieder heraus, was für sie und ihr Kind gerade am Wichtigsten war.

Ein großes Thema war die Menge ihrer Arbeit. Sie spürte und ich bestätigte ihr, dass es wichtig war, dass sie jetzt gut auf sich und ihr Kind achtete. Der erste Schritt dazu war, dass sie sich selbst wieder einen Rhythmus gab. Auch fing sie an, abends wirklich Feierabend zu machen. Einmal konnte ich sie bei uns zum Essen einladen, weil Essen in Gesellschaft schöner ist und das Beziehungs- und Bindungshormon Oxytocin aktiviert.

 

 

9. zweites Trimenon:

Eigentlich Phase des Wohlbefindens, hier Phase der Belastung

 

Gegen Ende des ersten Trimenons wurden Evas Alpträume weniger, aber ihre Beschwerden mit dem Ischias blieben trotz homöopathischer und Schüsslersalz-Behandlung. Auch unsere Arbeit an der Menge ihrer Pflichten reichte noch nicht aus. Sie war mit ihren Hunden viel an der frischen Luft und hatte viel Bewegung, was sie auch genoss und ihr gut tat. Aber es fiel ihr immer noch sehr schwer, die richtige Grenze abzuschätzen: ihre Gebärmutter reagierte mit Kontraktionen, wenn ihr die Aktivitäten zu viel wurden.

In der 20. SSW besichtige ich ihre Wohnung, die (entgegen meiner Befürchtungen) sehr wohnlich war. Eva hatte mir vorher erzählt, dass sie überhaupt keinen Wert auf ein gemütliches zu Hause lege. So unterschiedlich kann die Eigen- und Fremdwahrnehmung sein. Eva hatte sogar schon einige Kindersachen gekauft – ihr Nestbautrieb (das Prolaktin) funktionierte gut.

 

Eva war trotz ihrer Phobie auch in ärztlicher Vorsorge. Zum Glück fand sie eine sehr nette, einfühlsame Gynäkologin. Für mich war die Zusammenarbeit mit der Gynäkologin entlastend, da wir zum Glück – was leider sehr selten vorkommt – in einer sehr ähnlichen Art und Weise dachten. Der erste Ultraschall zu Beginn der SS hatte Eva überfordert- sie wollte nicht auf den Monitor sehen, aber nun beruhigte es sie, auch von ärztlicher Seite zu hören, dass ihr Baby regelgerecht wuchs. Ende der 21. SSW war bei der Gynäkologin alles OK. Eva hatte auch keine Panikattacke.

 

Meine Beobachtungen des feto-plazentaren Systems zu Beginn des zweiten Trimenons ergaben ebenfalls, dass das Uteruswachstum normal war, der Symphysen-Fundus Abstand entsprach immer in etwa der Schwangerschaftswoche (war eher 1-2cm kleiner), das Kind bewegte sich regelmäßig, der Herzschlag war reaktiv. Ihre Brust bereitete sich auf das Stillen vor, es trat schon Milch aus. Wie schon so oft reagierte sie auch hier sehr deutlich. Ihr Körper antwortete auf die das Stillen vorbereitenden Hormone mit viel Milchaustritt. Sie wendete Quarkwickel an und konnte damit ihre Brust wieder beruhigen.

 

Eva

Mit einem Ungeborenen Hundefutter machen

Bald hatte ich gelernt, dass es nichts Besseres gibt, als einen intensiven Kontakt zum ungeborenen Kind aufrecht zu erhalten. Mir gelang dieses in ruhigen Momenten einfach mental, also durch Gedankenkraft. Doch auch im Beruf und im Alltag erwies es sich als durchaus positiv. So hatte ich zugleich auch ein besseres Gefühl dazu, was ich brauche und vor allem ein besseres Maß für die Leistungen, die ich über den Tag erbrachte. Kurz gesagt: durch einen intensiveren Kontakt, ein stetig aufrechtes Bewusstsein mit und bei dem Baby ersparte ich es meinem Körper mir zu signalisieren, wann es genug ist (z.B. durch Erschöpfung, Schmerzen etc.). Also fand ich in jeder Lebenslage eine eigene Form der Kommunikation. In Momenten, in denen meditative Zustände für mich nicht erreichbar waren, begann ich einfach laut mit dem Baby zu sprechen, erzählte ihm, was wir nun machen und wie wir es machen. Täglich stand ich mehrmals in der Futterküche meines Hundehotels und bereitete mit dem Baby für die Hotelgäste das Hundefutter zu.

Unternehmungen, die anstrengend aber unvermeidbar waren, bestritten wir auf genau diese Weise gemeinsam: lange Autofahrten waren für das Baby bisher Anlass gewesen, mich unentwegt heftig in die Rippen zu treten – ein ruhiges Zwiegespräch im Vorfeld milderte dies oder vermied es gänzlich.

 

 

10.

25. Schwangerschaftswoche: Eine Grenzsituation

 

Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen

Nein und auch mir gelang es nicht ganz, mit dem Tempo der voranschreitenden Schwangerschaft mitzuhalten. Und so kam es, dass mein Körper für eine kurze Zeit das Steuer in die Hand nahm und mir eine Lektion erteilte: es war irgendwann im November, als ich urplötzlich ein Flimmern auf dem rechten Auge sah. Binnen Minuten wurde es immer dunkler und ich war schließlich auf dem rechten Auge komplett blind. Mein Gesicht, meine Zunge und auf mein Arm wurden nach und nach taub. Es war fast schon etwas leichtsinnig, dies als Stresssymptom zu deuten, jedoch legte ich mich noch abends ins Bett und versuchte zu schlafen. Als am nächsten Morgen keine Besserung eintrat, fuhr mich Frank in die Klinik. Dort wurde ich total auf den Kopf gestellt. Zunächst ein CT, einen Schlaganfall konnte man ausschließen. Dann folgten unzählige Untersuchungen der Augen, Nerven usw. Seltsamerweise war ich noch immer ganz ruhig, ich war mir sicher, dass der Ursprung des Ganzen irgendwo in meinem Rücken zu finden war. Also verließ ich die Klinik auf eigene Verantwortung und kümmerte mich um meinen Rücken. Ich besuchte zunächst eine Osteopathin, die mir Birgit empfohlen hatte. Nach wenigen Tagen trat auch eine Besserung ein. Schließlich besuchte ich eine Therapeutin, die einen „Regenerationsimpuls“ nach der traditionellen, chinesischen Medizin einsetzte und mein Leiden verschwand. Zu langes Stehen, Laufen und zu wenig Ruhepausen hatten einfach den ganzen Körper – insbesondere den Rücken – überfordert.

 

Meine Sicht

Ich hatte so eine Situation noch nie erlebt und fühlte mich leicht überfordert. Ich hörte einfach genau hin, was Eva sagte. Ich erfragte nicht nur ihre Beschwerden, sondern auch ihre vitalen Systeme, wie ihren Kreislauf, ihren Appetit und die Bewegungen ihres Kindes. Dies sind wichtige Informationen aus dem neurovegetativen und feto-plazentaren System. Hier gab es keine Auffälligkeiten. Daraufhin bestärkte ich sie in ihrem unaufgeregten Umgang mit der Situation. Da aber solche Lähmungserscheinungen sehr ungewöhnlich sind und um keine Interventionsmöglichkeiten zu verpassen, überlegten wir gemeinsam, wer die richtigen Diagnosemöglichkeiten habe. Da es Nacht war, entschieden wir uns für das Krankenhaus. Deshalb brachte Frank sie dorthin, nachdem die Beschwerden nach einigen Stunden nicht besser wurden. Im Krankenhaus wurden ihr keine Therapiemaßnahmen angeboten, daher ging Eva auf eigene Verantwortung wieder nach Hause. Weil Eva schon vorher immer wieder über Ischias- und Rückenschmerzen geklagt hatte, konnte ich mir vorstellen, dass ihre Ausfallserscheinungen mit muskulären Verspannungen in Verbindung standen. Da ich mich auf diesem Gebiet aber nicht als Expertin sah, nutzte ich mein Netzwerk und empfahl ihr eine Osteopathin. Der angewandte Ohrimpuls der TCM war mir neu.

 

 

Soziales System:

Eva plante die Hochzeit mit ihrem Freund, der ein Jahr Elternzeit nehmen wollte.

In der 24. SSW ging sein Kampf-Flucht-System kurzfristig mit Frank durch. Er landete betrunken bei einer anderen Frau im Bett. Eva war sehr klar, setzte ihn kurzfristig vor die Tür. Sie war aber auch nicht nachtragend und die Situation war kurz darauf wieder bereinigt. Aber die bereits geplante Hochzeit wurde abgesagt.

 

Auch wenn es keinen ganz direkten Zusammenhang gab, konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass der kurzfristige Verlust von Frank als Evas ökologischer Potenz eine Erhöhung des Stresslevels bedeutete, die sie nicht mehr kompensieren konnte. Ihre Entspannungsmöglichkeiten reichten nicht mehr aus, um sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Der Sympaticus war zu dominant und ihr Körper reagierte mit Lähmung. Aus der extremen Bewegung war Starre geworden. Nun war es die Aufgabe, ihren Körper langsam wieder in die Entspannung und damit Beweglichkeit zu bekommen. Die mentale Flexibilität der Beiden, die die schnelle Aussöhnung möglich machte, war ein Teil des Heilungsprozesses. In dieser Situation stand ich Eva einfach mit aktivem Zuhören zur Seite. Dadurch bestätigte ich sie in der von ihr gewählten Lösung und ihrem Umgang mit der Situation. Dieses „die Frau in den Mittelpunkt stellen“ und „in der wertfreien Beziehung bleiben“ regte ihren Parasympaticus und ihr Endorphin-Oxytocinsystem an. Auf der Beziehungsebene nutzte Frank durch seine Fürsorge für Eva die Chance, seinen Platz als ökologische Potenz wieder einzunehmen.

Eva gab der Beziehungskrise eine weitaus geringere Bedeutung, als ich. Ich ließ das so stehen und folgte ihr in ihrer Wahrnehmung, dass ihre Lähmungserscheinungen Folge von Überarbeitung waren. Diese Erkenntnis ermöglichte Eva nach Ressourcen zu suchen, wie sie fürsorglich mit sich und ihrem Baby umgehen konnte.

 

Konkret folgten daraus die Fragen: „Wie viel Ruhe braucht dein Kind?“ und: „Wie kannst du zu dieser Ruhe kommen?“ Ich stellte ihr zur Auswahl, ob sie eine Traumreise, kreative Arbeit oder eine Massage dazu nutzen wollte. Weil Eva sehr kreativ ist und eine echte künstlerische Begabung hat, malte sie nach einer kurzen meditativen Einstimmung ein Bild über ihre Situation. Dabei wurde ihr klar, dass sie nach wie vor glaubte, immer alles alleine schaffen zu müssen und dann häufig über ihre Grenzen ging. Es brachte ihr die Erkenntnis, dass es immer wichtiger wurde, verschiedene Aufgaben zu abzugeben. Auch dass sie viel mit ihrem Kind in Kontakt war und mit ihm sprach tat Eva augenscheinlich sehr gut.

 

Da sich viel Laufen und Stehen bei ihrer Arbeit nicht vermeiden ließen, überlegen wir zusammen, wie sie ihren Bauch stützen konnte, der gerade bei zuviel Arbeit immer wieder mit Wehen reagierte. Ich lieh Eva einen Schwangerschaftsgurt (Cellacare Materna) aus, der ihr beim vielen Laufen half, den wachsenden Bauch zu tragen.

 

 

11. Die Grenzsituation geht weiter, die Frage nach der Plazentainsuffizienz


Nachdem die Taubheit auf der rechten Seite besser wurde bewegte sich das Kind für ca. 2 Wochen kaum. Der Uterus wuchs zeitgerecht, auch Fruchtwasser war gut tastbar, aber auch bei einer metamorphischen Massage bewegte sich das Kind nicht. Obwohl Eva eigentlich ein gutes Gefühl von ihrem Baby hatte und das feto-plazentare System in Ordnung schien, waren die kaum vorhandenen Kindsbewegungen für mich ein so großes Fragenzeichen, dass ich ganz sicher gehen wollte, nichts übersehen zu haben. In Evas Fall sah ich drei besondere Aufmerksamkeitspunkte: Zum einen die Folgen ihres Lebensstils vor der Schwangerschaft für die Plazentabildung, darüber hinaus der hohe Stresslevel, der zu einer reduzierten Plazentarfunktion geführt haben konnte. Zuletzt hatte ich auch Zweifel an der Qualität ihres mütterlichen Terrains. Dies möchte ich im Folgenden verdeutlichen:

 • Aufmerksamkeitspunkt Lebensstil vor der Schwangerschaft:

Wie schon erwähnt konnte die Kräfte zehrende Lebensweise vor der Schwangerschaft zu einer Einschränkung des mütterlichen Bodens in der Gebärmutter führen. Andererseits zeigte Eva eine hohe Belastungsfähigkeit.

 

• Aufmerksamkeitspunkt Stress in der Schwangerschaft:

Evas hohe Belastungsfähigkeit hatte sie immer wieder bis an ihre Grenzen arbeiten lassen. Ich war mir nicht sicher, welche Auswirkungen diese chronische Belastung in der ersten Schwangerschaftshälfte auf die Entwicklung und die Versorgungsmöglichkeiten des Kindes gehabt hatten.

 

• Aufmerksamkeitspunkt Mutterbild und Mutterrolle:

Eva hatte bisher wenig gute Erfahrungen mit mütterlichen Bezugspersonen in ihrem Leben gemacht. Die Beziehung zu ihrer Mutter war bisher durch Reibung und Abgrenzung geprägt. Dadurch stand sie in einem starken Rollenkonflikt. Im ersten Trimenon wurde dieser Konflikt daran sichtbar, dass sie Schwierigkeiten hatte, die Herausforderung Mutter zu werden, überhaupt anzunehmen. Es gab eindeutige Parallelen zwischen ihr und ihrer Mutter. Beide waren jung schwanger geworden, kannten ihre Männer noch nicht lange.

Ihre Mutter jedoch durchlebte lange Krisen mit ihrem Mann. Eva war sich sehr bewusst darüber, dass sie diesen Weg nicht einschlagen wollte. Dies wurde in der Beziehungskrise zu einer Ressource, weil sie sehr klar formulieren konnte, was ihr wichtig war und so gut für sich selbst zu sorgen.

Eva hatte sich inzwischen für das Mutterwerden entscheiden können, was ihr noch fehlte war ein eigenständiges positives Mutterbild. Unsere Gespräche gaben ihr einen Raum und die Erlaubnis, nach und nach ihr individuelles Bild zu entwickeln.

 

Schon seit Beginn meiner Begleitung von Eva war mir bewusst, dass ich aus oben genannten Gründen, auf die Versorgung des Kindes aufmerksam sein würde. Ich hatte versucht, dem durch eine beziehungsorientierte Begleitung vorzubeugen, indem ihr Rhythmus und Entspannungsfähigkeit Thema waren (Anregen des Parasympaticus und der Hormone). Das Entscheidungsschema war mir eine Hilfe für den Umgang mit dieser Situation. Ich kam zu dem Resultat, dass ich in diesem Fall die Kooperation mit der Gynäkologin brauchte. Dies geschah in Absprache mit Eva, nachdem wir auch die Erkenntnisse der evidenzbasierten Medizin hinzugezogen hatten. Mir ist es wichtig, auch als Hebamme zu den eigenen Grenzen zu stehen und im Zweifelsfall noch eine andere Meinung einzuholen. Eva stimmte einer Ultraschalluntersuchung zu. Auch im Ultraschall bewegte sich das Kind sehr wenig, die Ärztin schlug eine zusätzliche Doppleruntersuchung vor. Eva entschied sich, aufgrund ihres eigenen guten Gefühls erst in fünf Tagen zu einer befreundeten Ärztin zum Doppler zu gehen. Für mich war es hilfreich, dass auch Evas Gynäkologin mit einbezogen war und auch sie Evas Wunsch, auf den Termin der Kollegin zu warten, unterstützte. Ich vertraute Evas Intuition an dieser Stelle.

Die Doppleruntersuchung war dann soweit gut, es wurden allerdings Notches gefunden, d.h. die Verbindung von der mütterlichen Seite zur Plazenta war nicht optimal und Eva wurde von der Ärztin als Präeklampsierisikofrau eingestuft, was uns aber aufgrund meiner Einschätzung der Gesamtsituation nicht weiter beunruhigte.

Wir waren uns mit Evas Gynäkologin einig, dass das Hauptthema war, dass Evas Baby Platz in ihrem Leben bekommt. Die Ärztin empfahl ihr antroposophische Heilmittel zur Verbesserung der Plazentafunktion, die sie auch eine Weile einnahm.

Meine Idee war, dass der Platz für Evas Kind durch mehr Ruheraum selbst wachsen würde. Bei unseren nächsten Treffen arbeiteten wir daher im Gespräch heraus, dass Eva eine Hängematte helfen könnte, immer wieder Ruhe für sich und das Baby zu finden. Diese Ruhezeiten in der Hängematte nutzte sie zum Zeichnen, Schreiben und Tätowieren. Dabei konnte sie ihren Geist befriedigen und stellte fest, dass das auch ihrem Baby gefiel. Diese kreativen Tätigkeiten halfen ihr, ihren Kohärenzsinn zu stärken, und ihre Identität als Schwangere und zukünftige Mutter zu formen. Sie konnte den Auszeiten durch ruhige Beschäftigungen einen Sinn zu geben und dadurch den ruhigeren Rhythmus mit ihrem Baby üben. Außerdem erstellte sie einen genaueren Zeitplan, um sich nicht wieder zu überfordern.

 

 

 

12. drittes Trimenon:

Eigentlich Phase der Belastung- hier Phase des Wohlbefindens

 

Bewertung nach den Säulen der Gesundheit

Hormonelles System:

Eva war müde und blass, hatte ab und zu Flimmern vor den Augen, die inneren Augenlieder waren hellrot. Die Gynäkologin diagnostizierte eine Anämie, die Eva mit Kräuterblutsaft behandelte. Ich hielt das für sinnvoll, da ihre Symptome sagten, dass es über das normale Absinken des Hb hinauszugehen schien.

 

Feto-plazentares System:

Das Kind bewegte inzwischen wieder deutlich mehr und übte Geburtsbewegungen, indem es sich von rechts nach links mit dem Rücken drehte und immer wieder mit den Füßen abstieß. Dies war für mich ein Zeichen, dass das Kind neurologisch reift und sich auf die Geburt vorbereitet.

Eva hatte immer wieder schmerzhafte Wehen, die nun ihr Zeichen waren, dass sie sich Ruhe gönnen sollte.

 

Soziales Frau-Umwelt System:

Frank wurde gekündigt, weil er ein Jahr Elternzeit nehmen wollte. Was zunächst ein Schock für die beiden war, stellte sich als großer Glücksfall heraus, weil Frank Eva in ihrem Hundbetrieb sehr gut entlasten konnte. An ihrem ersten Jahrestag heirateten die beiden nun doch noch vor der Geburt ihres Kindes im Kreise der Familie.

 

Wir sprachen über die verschiedenen Geburtsmöglichkeiten und unter welchen Umständen welcher Geburtsort optimal wäre.

Eva war nur einen Abend im Geburtsvorbereitungskurs (an einem Partnerabend mit Frank), an den anderen Abenden war es wichtiger für sie, daheim Ruhe zu haben und nicht noch durch die Gegend zu fahren. Ich hatte das Gefühl, dass Eva sich lieber alleine bzw. mit Frank um sich kümmerte, als viel von anderen Frauen zu hören.

 

Eva

Das Gegenteil von „gut“ ist „gut gemeint“

Wie sicherlich jede Schwangere, die ihr erstes Kind erwartet, bekam ich unentwegt Ratschläge von anderen Müttern. Das konnten Verwandte und Freunde sein, ja selbst Kunden sprachen mich an. Das Thema „Hausgeburt“ scheint in der heutigen Zeit, in der Kinder standardmäßig in Krankenhäusern geboren werden, einfach immer Anlass zu sein, über dramatische Geburten und überhaupt alle nur denkbaren Komplikationen zu sprechen. Dass sich unser Zuhause mit uns auch noch 5 eigene Hunde teilten, setzte dem Ganzen noch die Krone auf. Man hätte meinen können, in den Augen der anderen warteten unsere Hunde nur darauf, bis das Kind geboren ist, um es dann auffressen zu können 

Da lag es nahe, das Thema irgendwann einfach nicht mehr zur Sprache zu bringen. Für mich kam kein besserer Ort für eine Entbindung in Frage als mein eigenes zu hause. Hier fühle ich mich am wohlsten. Zudem habe ich eine regelrechte Krankenhaus-Phobie durch viel schlechte Vorerfahrung in anderen Dingen entwickelt.

Ich vermied es schließlich überhaupt, über das Thema Schwangerschaft zu sprechen. Gerade wenn es um die angeblich „typischen“ Wehwehchen ging, wollte ich einfach nur weghören. Und zum Glück kann ich sagen, dass ich gerade von diesen Wehwehchen fast gänzlich verschont geblieben bin: Keine Wassereinlagerungen, keine Schwangerschaftsstreifen etc.. Das mag Veranlagung sein, an der Lebensweise liegen(viel Bewegung draußen) oder einfach nur Glück sein. Zumindest habe ich keine Zeit mehr in Sorgen und irgendwelche Vorsorgemaßnahmen investiert, die solche Gespräche nur zu gerne auslösen.

Hier taten mir die Gespräche mit Birgit auch sehr gut. Sie hatte stets tolle Tipps und Anregungen aus der Naturheilkunde, wenn doch mal irgendwo „der Schuh drückte“.

Gerade auch bei dem Lernprozess, den ich mit mir selbst zu durchlaufen hatte, fand ich immer wieder Rat und aufbauende Gespräche bei ihr.

 

 

13. Endspurt


Die letzten Wochen vor dem errechneten Entbindungstermin kam Birgit zu uns nach Hause. Dort machten wir auch die Vorsorgeuntersuchungen und bereiteten alles auf die Hausgeburt vor. Frank arbeitete auch nicht mehr, so kann er mich besser im Gewerbe unterstützen. Als Frau in der Selbstständigkeit hat man leider weder Anspruch auf Mutterschutz noch auf sonstige Unterstützung. So blieb praktisch nichts anderes übrig, als bis zum letzten Tag weiter zu arbeiten –eine Aushilfe konnten wir uns nicht leisten.

Im letzten Schwangerschaftsdrittel plagte mich ein doofer Hautausschlag. Es fing an Bauch und Brüsten an und breitete sich über den ganzen Körper aus. Das juckte wie verrückt! Tubenweise Solesalbe und Bäder in Salzwasser verschafften Linderung, aber ich kam erst sehr spät dahinter, an was es letzten Endes lag: ich reagierte auf säurehaltiges Essen. Rohes Obst und Gemüse, Fruchtsäfte und auch Süßigkeiten konnte ich irgendwie nicht mehr vertragen. So stieg ich auf eine weitestgehend basische Ernährung um und es wurde besser. Nächtliche Wadenkrämpfe in der letzten Woche bekam ich mit dem Schüssler-Salz Nr. 7(„magnesium phosphoricum“) in den Griff –auch wieder ein toller Tipp von Birgit!

 

Meine Sicht:

In der 30. SSW sah ich mir Evas Michael´sche Raute an. Sie bewegte sich kaum, wenn sie in die Hocke ging. Ich zeigte ihr ein paar Übungen mit dem Becken und wir machten Atemübungen zusammen. Auch massierte ich ihren Bauch und zeigte ihr, wie sie Verklebungen unter dem Rippenbogen lösen konnte.

Bei ihrem Hautausschlag half ich ihr hauptsächlich durch aktives Zuhören, sie kam von alleine auf die Lösung, auf saure Lebensmittel zu verzichten.

Eva hatte immer wieder Kontraktionen (ab der 31. SSW), zum Teil als Reaktion auf ihre körperlichen Aktivitäten, z.T. aber sicher auch, weil sie gerne Yogi Tee trank. Darauf kamen wir aber erst kurz vor ihrem Termin. Darauf hin ließ sie ihn weg.

Die letzten Wochen vor der Geburt waren dadurch geprägt, dass Eva sich immer mehr mit dem konkreter Werden ihres Babies auseinander setzte. Wir besprachen praktische Aspekte der Säuglingspflege. Ihr Baby hatte immer wieder Schluckauf, trainierte also seine Atemmuskulatur. Kurz vor ihrem Termin plagten sie Wadenkrämpfe und Kreislaufbeschwerden. Ich fragte mich, ob sich auch ihr vegetatives Nervensystem mit der herannahenden Geburt beschäftigte und die unbewusste Sorge davor ausdrückte, deshalb empfahl ich ihr 1x Ignatia C200.

In der 35. SSW ging sie noch einmal ihrer Gynäkologin zur Kontrolle. Dieses Mal kam ihre Arztphobie wieder voll durch und sie hatte eine Kreislaufschwäche in der Praxis. Die Gynäkologin fand das Baby zu klein, sie schätzte es auf unter 2000gr, die Plazenta wiese wieder Verkalkungen auf. Eva sollte wieder ein antroposophisches Mittel nehmen, das sie sich allerdings subkutan spritzen musste. Eva war davon gar nicht begeistert, und da alle meine messbaren Parameter im grünen Bereich waren, fand ich diese Maßnahme nicht notwendig. Die Gynäkologin wollte CTG schreiben, Eva war unschlüssig ob des Nutzens und anhand von Erkenntnissen aus der evidenzbasierten Medizin kamen wir überein, dass wir zu diesem Zeitpunkt darauf verzichten wollten. Viel wichtiger als ein CTG war für mich, dass Eva inzwischen ihr Kind gut spürte und einen guten Kontakt zu ihm hatte.

Ihre Michael´sche Raute dehnte sich inzwischen beim In-die-Hocke-gehen, ihr Baby bewegte sich sehr gut und Eva sah der Geburt gelassen entgegen..

 

 

 

14. Die Geburt

 

Entgegen aller Vermutungen, dass dieses Kind sicher früher kommen würde, ließ sich die kleine Susi* Zeit. Sie wartete bis der Vollmond fünf Tage über dem errechneten Termin am Himmel stand.

 

Eva

Zeit des Rückzugs

Als der errechnete Termin verstrichen war und die Geburt noch auf sich warten ließ, wurden die Menschen in meinem Umfeld für mich immer unerträglicher: Mehrfach täglich klingelte das Telefon, es wurde ständig und überall voller Sorge nach der Geburt gefragt. Jetzt war für einige Familienmitglieder auch das Thema Hausgeburt wieder Grund zur Ansprache, da das Kind ja nicht „pünktlich“ da ist. Ich war nur noch genervt und zog mich absolut zurück. Die letzten 4 Tage wollte ich nicht mehr ans Telefon gehen, beantwortete keine SMS mehr, ließ keinen Besuch mehr kommen und besuchte auch niemandem im Familien/Freundeskreis.

Ich war ganz ruhig. Dass der Entbindungstermin überschritten war, beunruhigte mich nicht im geringsten. Irgendwie ist Schwangerschaft ein Zustand, in dem man sich auf seine Urinstinkte verlassen kann. Am darauf folgenden Sonntag sollte Vollmond sein. Schon vor meiner Schwangerschaft hatte ich fast immer pünktlich zu Vollmond meine Periode bekommen. Mein Gefühl sagte mir, dass es auch mit der Entbindung an Vollmond soweit sein konnte.

 

„Ups...jetzt kannst du Birgit anrufen“

Den Sonntag vor der Vollmondnacht verbrachte ich wie gewohnt mit leichteren Erledigungen und Arbeiten im Gewerbe. Als der Abend näher rückte, bekam ich leichte Wehen. Zu dem Zeitpunkt stand ich noch in unserem Laden und beriet eine Kundin. Etwas später machten wir Feierabend und gingen rauf in die Wohnung. Die Wehen kamen noch immer, aber noch in viel zu großen Abständen. Frank war schon total nervös. Er frage ständig, ob er denn jetzt Birgit anrufen sollte. Ab etwa 20:00 Uhr wurden die Wehen stärker und die Abstände verkürzten sich plötzlich. Aus 10 Minuten wurden 7 und schließlich 5 Minuten. Ich hatte es mir gerade auf dem Sofa bequem gemacht, als der Blasensprung kam. „Ups...jetzt kannst du Birgit anrufen“. Während Frank telefonierte, war es meine größte Sorge, dass das Fruchtwasser Flecken auf dem hellgrauen Sofa hinterlassen konnte und ich begann auch noch zu putzen. Es schien mir in dieser Situation sowieso am wichtigsten, etwas Sinnvolles zu tun.

Die Wehen wurden aber rasch stärker. So stark, dass ich mich bei jeder Wehe einzig und allein auf mich und meine Atmung konzentrierte. Putzen war jetzt egal!

Bis Birgit bei uns war, hatte Frank das Sofa zu einem Bett umgebaut und mit Moltontüchern und Spannbettlaken präpariert. Die folgenden Stunden erlebte ich in einem regelrechten Trance-Zustand. Ich hatte mich auf das Sofa gelegt, hin und wieder trank ich einen Schluck Wasser, veratmete Wehe für Wehe. Birgit half mir, einen gleichmäßigen Atemrhythmus zu finden und eine bequeme Position zu haben. Irgendwann setzten die Presswehen ein. Irgendwie taten die überhaupt nicht mehr so weh, wie jede vorhergehende Wehe. Ich war hochkonzentriert. Ich hatte jegliches Zeitgefühl verloren, hätte nicht mehr sagen können, wie lange das Ganze gedauert hat. Irgendwann war das Köpfchen ganz unten. Birgit erklärte Frank noch, dass nun zunächst der Kopf, dann die Schultern und dann der ganze Rest geboren werden würde, als es plötzlich ganz schnell ging und unsere kleine „Susi“ um 2:39 Uhr auf einmal herausflutschte. Ich konnte es erst gar nicht glauben, dass ich es schon geschafft hatte. Ich durfte Susi zu mir nehmen und bereits nach 10 Minuten begann sie zu trinken. Wir ließen die Nabelschnur noch eine ganze Weile dran, bis schließlich auch die Plazenta geboren war und die Nabelschnur nicht mehr pulsierte. Als wir die Plazenta gemeinsam begutachtet hatten, durfte Frank die Nabelschnur durchtrennen.

So hatte ich –hatten wir- es schließlich geschafft. Susi wog 3090g und war 50cm groß. Es war ein schmerzhaftes, aber doch schönes Erlebnis. Und das Beste ist: alles hat so stattfinden können, wie ich es mir vorgestellt hatte. Den Rest der Nacht konnte ich gar nicht schlafen. Ich war so überwältigt, dass ich stundenlang wach lag und die Kleine anschaute. Die erste Zeit nach der Entbindung kam Birgit täglich zu uns und betreute uns und die Kleine ganz toll.

 

 

Meine Sicht:

In einer stürmischen Vollmondnacht kam um 22.45 Uhr der Anruf von Frank: Eva hatte seit einer Stunde alle fünf Minuten Wehen und gerade war auch die Fruchtblase gesprungen. Es liefe viel klares Fruchtwasser. Ich machte mich also auf den Weg und war 50 Minuten später bei den Beiden.

Eva saß angespannt auf einem Stuhl und veratmete tapfer ihre Wehen, die inzwischen schon alle zwei bis drei Minuten kamen. Sie war noch stark sympaticoton. Ich fragte sie, ob ich sie untersuchen dürfte, sie bejahte und ich fand eine verstrichene Portio, der Muttermund 3 cm geöffnet, zentriert, der Kopf schwer abschiebbar von Beckeneingang, Pfeilnaht schräg. Die Herztöne waren gut bei 135 spm. Das feto-plazentare System arbeitete gut.

Eva ging noch mal zur Toilette und ich machte ihr den Vorschlag, sich noch etwas hinzulegen, damit sie zwischen den Wehen einfach alles loslassen könnte. Ich stellte mich vorsorglich auf eine lange Nacht ein. So legten wir uns zusammen auf ihr großes Sofa und Evas Atem wurde deutlich ruhiger, so dass ich innerlich schon eine Wehenschwäche befürchtete. Aber nun konnte der Parasympaticus zusammen mit dem Oxytocin und den Endorphinen die Geburtsarbeit übernehmen. Um ein Uhr machte mich Frank auf eine relativ starke Zeichenblutung aufmerksam nachdem er Eva zur Toilette begleitet hatte und Eva begann Druck nach unten zu spüren. Um sicher zu gehen, dass ich mich nicht irrte, untersuchte ich sie nochmals: MM 7cm, Kopf fast in BM. Sie war in eine Art Trancezustand abgetaucht und ging ganz selbstverständlich mit dem Wehenrhythmus mit. Um zwei Uhr schob sie immer wieder nach eigenem Gefühlt aktiv mit, ihr Anus war belastet. Um 2.39 Uhr sprang die kleine Susi regelrecht in einer Wehe aus Eva heraus. Sie hatte die Nabelschnur einmal locker um den Hals und noch relativ viel Käseschmiere am Körper. Sie schaute uns gleich mit großen Augen an und war ganz wach und aufmerksam. Dies war ein Zeichen für das fetale Adrenalin, das die Beziehungsaufnahme erleichterte und Susi sicher durch die Anpassungsprozesse der Geburt brachte. Eva nahm sie kurz nach der Geburt zu sich, es war Liebe auf den ersten Blick. Der Grundstein für eine sichere, starke Bindung wurde gelegt. Ich ließ Susi auch beim Wiegen und Messen nach 1 ½ h ganz nah bei ihrer Mama.

Später sah ich mir Evas Damm an. Bis auf kleine Schürfungen an Labien und Scheide war nichts gerissen, ich brauchte nichts zu nähen. Susi trank sehr gut an beiden Brüsten. Ich gab ihr einen Apgar von 10/10/12.

Besonders beeindruckt hat mich Frank, der kurz nach der Geburt strahlend im Sessel saß und sagte: „Das hat mir gerade noch gefehlt in meinem Leben. Jetzt ist es komplett!“

Bevor ich drei Stunden nach der Geburt nach hause fuhr konnte Eva schon unter die Dusche gehen. Ihrem Kreislauf ging es gut, sie konnte Spontanurin lassen, Susi trank noch einmal. Dann verließ ich die frisch gebackene junge Familie.

 

 

15. Ressourcen während der Geburt


Für Eva stellte sich ihre Belastbarkeit in anstrengenden Situationen als hilfreiche Ressource dar. Zusätzlich hatten wir in der Schwangerschaft immer wieder an Evas Fähigkeit zur Entspannung gearbeitet. Das geschützte Setting der Hausgeburt ermöglichte es ihr schlussendlich dem Parasympaticus die Führung zu überlassen. Dadurch konnte ein konstruktiver Wehenrhythmus entstehen, dessen Hormone sie in die Trance führte. Mein Beitrag war meine entspannte Haltung begründet durch die sorgfältige Abklärung der Situation. Dies gab dem Geburtsgeschehen einen sicheren Rahmen, auf den sich alle Beteiligten vertrauensvoll einlassen konnten. In dieser Atmosphäre war es für Eva möglich, die rhythmischen Katecholamine als Kraft spendende Quelle zu nutzen, sich der Liebe und Öffnung des Oxytocins hinzugeben. Auch in Frank bewirkte die Geburt zu Hause eine physiologische Ausschüttung von Oxytocin und Endorphinen, was ihm half, die Bindung zu seiner Frau und seiner Tochter zu festigen. Das ausgeschüttete Prolaktin weckte seinen Beschützerinstinkt für sein Kind. Dadurch, dass wir zu Hause waren, konnte er seine Anspannung abladen, indem er seiner Frau half. Er begleitete Eva ins Bad und umsorgte sie aufmerksam. Das gemeinsame Geburtserlebnis wurde damit zu einer Kraftquelle für ihr weiteres Leben in ihrer neuen Familie.

Für die kleine Susi war eine starke Ressource ihre in der Schwangerschaft gewachsene intensive Beziehung zu ihrer Mutter und ihrem Vater. Durch die kreativen Ruhephasen in der Schwangerschaft hatte Eva die Gehirnentwicklung von Susi gefördert, was sich z.B. in den aktiven Geburtsbewegungen gezeigt hat. Es bewies, dass Evas Anstrengungen fruchtbar gewesen waren und ihrer Tochter eine gesunde Reifung und eine sichere Reise durch die Geburt ermöglicht hatten.

 

 

16. Das Wochenbett

 

In den ersten acht Tagen fuhr ich sechs mal zu Eva. Jedes mal war es eine Freude, zu sehen, wie sicher und natürlich Eva mit der kleinen Susi umging.

Das hormonelle System:

Die Gebärmutter bildete sich gut zurück.

Am dritten Tag hatte Eva eine leichte emotionale Krise, da Susi bis dahin vor Hunger sehr unruhig war. Die Situation entspannte sich, als die Milch an diesem Tag kam.

Das Kind-Brust-System, äquivalent zum feto-planzentaren System:

Susi hatte am fünften Tag schon wieder ihr Geburtsgewicht erreicht, sie wurde nur ganz leicht gelb und an ihren Beinchen zeigten sich ein paar Pickelchen, die nach knapp einer Woche wieder verschwunden waren.

Frau-Umwelt-System:

Eva fühlte sich gut aufgehoben bei Frank, der sich wunderbar sowohl um Eva und Susi als auch um all ihre Hunde kümmerte.

Auch ihre Mutter kam nach der Geburt zu Besuch. Ihr Verhältnis hatte sich deutlich entspannt. Beide genossen die neu gewonnene Nähe. Da die Geburt von Eva für ihre Mutter traumatisch gewesen war, freute sie sich sehr für ihre Tochter. Durch das indirekte Erleben der Hausgeburt ihrer Enkelin wurde auch bei ihr ein Heilungsprozess in Gang gesetzt.

Evas Verhältnis zu ihrem Körper entspannte sich immer mehr. Sie genoss die regelmäßigen Bauchmassagen bei meinen Wochenbettsbesuchen.

Das neurovegetative System:

Nur Evas Darmtätigkeit wollte nicht so recht in Schwung kommen. Nach einer Woche machte sie sich selbst einen Einlauf. Sie hatte ihren trägen Darm als normal empfunden. Wir überlegten zusammen, was ihr helfen könnte. Sie wollte es mit Homöopathie versuchen: Eine Gabe Opium C30 löst das ganze einfach und langfristig.

 

 

Zeichen der Veränderung, weiterer Verlauf

Eva hatte schon vor der Geburt ihren Hundehotelbetrieb gut koordiniert und vorbereitet. Sie hatte langsam gelernt, Aufgaben abzugeben. Frank erwies sich auch hier als große Hilfe, weil er Evas Arbeiten übernehmen konnte. Eva schaffte es tatsächlich, sich eine Woche ganz viel Ruhe auf dem Sofa zu gönnen. Auch danach begann sie ganz langsam ihre Tätigkeiten draußen wieder aufzunehmen. Was sie selbst zu Beginn nie für möglich gehalten hatte, war Tatsache geworden: Sie schaffte es, sich und ihrer Tochter im Wochenbett viel Raum und Ruhe zu gönnen. Als sie langsam wieder begann ihren Radius nach draußen zu erweitern, hatte sie eine so gute Bindung zu ihrem Kind, dass sie es selbst mit Super-Reichweiten-Babyphon nicht schaffte, ihr Kind alleine im Haus zu lassen. Sie setzte fort, was sie in der Schwangerschaft begonnen hatte, nämlich alle anfallenden Arbeiten mit ihrem Kind zu tun. Und siehe da: Ihre Tochter wurde anstatt der befürchteten Geschäfts- und damit Umsatzbremse eine große Bereicherung in Evas Hundehotel. Evas Hormonsystem, ihr neurovegetatives System und ihr Brust-Baby liefen so physiologisch und im Einklang miteinander, dass sie sechs Wochen nach der Geburt begann, ihre Tochter ohne Windeln zu pflegen. Darüber hatte sie einen Artikel gelesen, den sie von ihrer Mutter bekommen hatte. Susi wurde ein sehr aufgewecktes, ausgeglichenes Kind, das in einer außerordentlich guten Kommunikation mit ihren Eltern steht.

 

Ich habe Eva noch viermal bis zur vierten Lebenswoche von Susi besucht. Danach standen wir noch über email in Kontakt. Die Familie war zu einem guten Team geworden. Es war beeindruckend zu sehen, wie aus der anfänglich verzweifelten jungen Frau eine souveräne, glückliche Mutter geworden ist.

 

 

17. Ausgang der Betreuung für die Frau / Familie:


Eva und Frank haben sich auf den Prozess des Familie-Werdens einlassen können. In der kontinuierliche Begleitung hatten immer wieder nicht nur medizinischen Themen Platz, sondern auch häufig und intensiv globale und soziale Themen wie beispielsweise: auf sich hören, Arbeiten delegieren, Beziehungen zu Mutter, Familie und Partner, eigenes Frausein, Sinnfindung. Auch dadurch konnten Eva und Frank ein stabiles Fundament für ihre Elternrollen und ihre Beziehung legen.

Für Evas Mutter war die Entwicklung ihrer Tochter erstaunlich. Sie hatte sie noch zu Beginn der Schwangerschaft den Eindruck, ihre Tochter würde ihr Kind eventuell zur Adoption frei geben und war positiv überrascht, dass Eva sich zu so einer liebevollen Mutter entwickelt hatte.

 

 

Eva

Gedanken zum Schluss

Nein, ich erzähle dies nicht, um eine Hausgeburt „empfehlen“ zu können. Ich möchte einfach meine Erfahrungen weitergeben. Nicht als „Empfehlung“, nicht als „Geschichte, die glücklicherweise eine Happy End hat“...ich möchte erzählen, dass es sich lohnt, sich und seinem Körper zuzutrauen, ein Kind zu bekommen. Es ist etwas ganz Natürliches und die Natur hat dafür gesorgt, dass Kinder auch auf natürliche Weise geborgen werden. Ich wünsche allen Frauen dieses Urvertrauen wieder zu finden und sich in Begleitung einer so tollen Hebamme wie Birgit diesem Abenteuer hingeben zu können.

 

Grüße, Eva

 

 

Mein Fazit


Für mich war die Begleitung von Eva interessant, spannend und bereichernd.

Mir stellt sich die Frage, wie Evas Schwangerschaft und Geburt gelaufen wäre, wenn sie nur auf die – leider häufig übliche – pathologiesierende und damit schlussendlich Angst machende Art und Weise betreut worden wäre. Mir war es schon immer wichtig, die Frauen in ihrer Ganzheit zu sehen. Mein schulmedizinischen Hintergrund lehrte mich jedoch verstärkt die Problemsuche. Das führte auch bei mir häufiger zu Ängsten und Befürchtungen als zu Vertrauen. Eva unter dem Blickwinkel der Salutogenese zu betreuen hat mir geholfen, meine Ängste in einen realistischeren Rahmen zu setzen.

Ich war mir während der Schwangerschaft nicht immer sicher, ob wir wirklich eine Hausgeburt zusammen erleben werden. Jedoch wusste ich, dass wir mit der Strategie der kleinen Schritte den bestmöglichen Weg gehen. Dies bedeutet, immer soweit zu gehen, wie es jetzt gerade möglich ist und zu fühlen, was jetzt gerade wichtig ist.

Ich erinnere mich gut an einen Gedanken, den ich während der Geburt hatte: Als Eva schon nach kurzer Zeit zeichnete und Druck nach unten spürte, dachte ich: „Das ist also die Geburt, um die ich mir so viele Gedanken gemacht hatte.“ Ich wusste, dass sie jetzt einfach gut laufen würde und ich nichts anderes zu tun hatte, als da zu sein und mit den Eltern ihr Baby in Empfang zu nehmen.

Ich bin mir sicher, dass diese schlussendlich unkomplizierte Geburt und das harmonische Wochenbett das Resultat der intensiven Begleitung während der Schwangerschaft in Verbindung mit der ressourcenorientierten salutogenetischen Herangehensweise war. All das zusammen ermöglicht, dass Frauen wie Eva an dem Prozess des Mutter-Werdens wachsen können und durch dieses Abenteuer eine Erweiterung ihrer Kompetenzen erfahren. Ich bin immer zutiefst dankbar, wenn ich beobachten darf, wie die 18 Monate um eine Geburt für eine Frau wieder zu dem werden, was sie sein sollen: Eine Zeit der Veränderung, die sie reicher, schöner und kraftvoller macht. Dies schafft die Grundlage für die physische und die psychische Reaktivität des Kindes, und damit für den guten Start in das Leben.

 

Quelle: Schmid, Verena "Schwangerschaft, Geburt und Mutterwerden", Elwin Staude Verlag,Hannover, 2011

 

 

Ich komme gerne auch zu Ihnen
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Birgit Landwehr

Hebamme

MSc Midwifery

Familienhebamme

Lochenbach 10

86736 Auhausen

09082-911747

email: birgit@hebammenpraxis-landwehr.de